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| Verkehrszweig |
VerkehrszweigVerkehrszweige (Verkehrsträger) sind i. w. S. verschiedene Ausprägungsformen von Verkehrssystemen und i. e. S. Bezeichnung für einzelne Branchen des Verkehrswesens bzw. des Öffentlichen Verkehrs. Die Branchen entstehen durch Gruppierung von Verkehrsunternehmen entsprechend typischer Kriterien, wie z. B.
- die Bedienung eines typischen Marktsegments (Verkehrsbedarf),
- unter Nutzung typischer Verkehrsmittel,
- und typischen Betriebs- und Organisationsformen (Betriebsführung/ Verkehrsbetriebstechnologie) in typischen Unternehmensformen (vgl. Verkehrsbetrieb).
Sie müssen in ausreichendem Maße am Modal Split beteiligt sein, damit sie als Branchen statistisch erfassbar sind (i. w. S. Massenhaftigkeit). Es gibt qualitative und quantitative Vergleichs- und Bewertungskriterien für Verkehrszweige, so z. B. Massenleistungsfähigkeit, Schnelligkeit, Netzbildungsfähigkeit, Berechenbarkeit, Häufigkeit der Verkehrsbedienung, Sicherheit und Leichtigkeit der Prozessabwicklung. Als spezialisierte Branchen innerhalb der Verkehrswirtschaft, deren Geschäftstätigkeit die Erstellung allgemein zugänglicher Mobilitätsleistungen umfasst, sind die Verkehrszweige grundsätzlich dem öffentlichen Verkehr zuzuordnen. Die Verkehrszweige lassen sich nach technisch-technologischen Unterscheidungskriterienin systemorientierte Verkehrsträger oder nach wirtschaftlich-organisatorischen Unterscheidungskriterien in anwendungsorientierte Verkehrsdienste unterteilen.
a) Systemorientierte Zweige: Verkehrsträger
- Binnenschifffahrt, Küstenschifffahrt und Seeschifffahrt,
- Landverkehr,
- Öffentlicher Straßenverkehr/ Kraftverkehr,
- Eisenbahnverkehr,
- Luftfahrt und Raumfahrt,
- (Überregionaler) Leitungsverkehr (z. B. Rohrleitungstransport, Übertragung von Energie in Kabeln) einschließlich der Nachrichtentechnik bzw. Übertragungstechnik,
- (Behälterverkehr/ Kombinierter Verkehr).
Die systemorientierten Verkehrszweige bieten transportnahe Leistungen an (neudeutsch: Carrier-Dienste). Dazu betreiben sie unterschiedliche Verkehrssysteme, wobei jedes Verkehrssystem den unterschiedlichen Anforderungen des Kunden und des zu befördernden Verkehrsobjektes an den Transportprozess hinsichtlich Qualität und Quantität (z. B. Transportgeschwindigkeit, Kapazität, Route, Medium) genügt. Der Behälterverkehr ist eine Mischform zwischen systemorientierten und dienstorientierten Zweigen. Die Nachrichtentechnik wird häufig separat betrachtet.
Auch wenn die o.g. Verkehrsträger nach den hauptsächlich verwendeten technischen Hilfsmitteln bezeichnet werden, so handelt es sich trotzdem um eine Branchenbezeichnung. Mit dem Begriff "Eisenbahnverkehr" bzw. kurz "Eisenbahn" ist also nicht die Summe aller Lokomotiven, Weichen und Ste´llwerksgebäude gemeint, sondern die Menge aller am Verkehrsmarkt tätigen Verkehrsunternehmen, die zu deren Leistungserstellung das technische Hilfsmittel "Eisenbahn" (i.w.S.) verwenden.
b) Anwendungsorientierte Zweige: Verkehrsdienstleistungen/ Mobilitätsdienste
- Personenfernverkehr: Fremdenverkehr/ Tourismus,
- Personennahverkehr: Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV),
- Gütertransportdienste/ Güterverkehr in lokalen, regionalen und internationalen Relationen,
- Logistik, Spedition, Befrachtung, Transport,
- Versorgungsdienste mit Wasser/ Abwasser, Energie, Wärme,
- Postwesen/ Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP),
- Nachrichtenwesen: Fernmeldewesen/ Telekommunikation (Übermittlung von nicht stofflichen Nachrichten), z. B. Datencarrierdienste, Providerdienste u.ä.
Die dienstorientierten Zweige bedienen sich der o.g. systemorientierten Zweige, um die Verkehrsdienstleistungen anzubieten. Klassisch: Die Post nutzte u. a. die Transportleistung der Eisenbahn (Bahnpost) für die Erstellung von Postdiensten. Der Zweig Nachrichtenwesen wird häufig separat betrachtet.
Verkehrszweig oder Verkehrsträger?
Grundsätzlich können beide Begriffe synonym verwendet werden. Verkehrszweig meint bildlich einen Zweig innerhalb der Branche (des Wirtschaftszweiges) "Transport- und Nachrichtenwesen", während Verkehrsträger diejenige Branche meint, die eine bestimmte Verkehrsleistung erbringt und damit das Verkehraufkommen einer Volkswirtschaft "trägt". Dennoch gibt es auch andere, sehr technisch orientierte Erklärungen des Begriffs "Verkehrsträger", wie auch in diesem Online-Wörterbuch unter selbem Stichwort ersichtlich wird.
Verkehrszweig oder Verkehrsmittel?
Die Verkehrsmittel sind die Gesamtheit der stationären und mobilen Arbeitsmittel, welche die Ortsveränderung von Gütern, Personen und Nachrichten ermöglicht, so z. B.
- Verkehrsinfrastruktur (Weg, Station, Nebenanlagen),
- Fahrzeuge und Gefäße,
- stationär oder mobil eingesetztes Personal (Arbeitskraft),
- Antriebskonfiguration und Energieversorgung (Traktion) sowie
- Methoden und Einrichtungen der Betriebsführung bzw. Betriebsorganisation.
Unter Verkehrsmitteln versteht man umgangssprachlich lediglich die Fahrzeuge. (Vgl. auch Stichwort "Verkehrsmittel" in diesem Online-Wörterbuch unter dem entsprechenden Stichwort zu finden ist.) Aus der Definition wird deutlich, dass es einen bedeutsamen Unterschied zwischen den Begriffen "Verkehrszweig"/ "Verkehrsträger" und Verkehrsmittel gibt.
Siehe auch
- Mobilität
- Verkehr
- Verkehrssystem
- Verkehrsmittel
- Liste der Verkehrsmittel
- Verkehrswissenschaften
- Hochschule für Verkehrswesen
Kategorie:Verkehr
Kategorie:Transport & Verkehr
Kategorie:Schienenverkehr
Kategorie:Schifffahrt
Kategorie:Luftverkehr
Kategorie:Postwesen
Kategorie:Telekommunikation
VerkehrssystemAls Verkehrssystem bezeichnet man ein geschlossenes oder offenes System zur Ortsveränderung von Gütern, Personen und Nachrichten. Es umfasst eine bestimmte Menge funktionell miteinander verknüpfter Komponenten, welche nach bestimmten Merkmalen aus der Gesamtheit aller im Verkehrswesen vorhandenen Systemelemente abgegrenzt werden. Die Abgrenzung erfolgt z. B. nach räumlichen, zeitlichen, technischen, organisatorischen, politischen, juristischen oder betrieblichen Gesichtspunkten und dient der Vereinfachung des Umgangs mit den komplexen Strukturen des Verkehrswesens. Die isolierte Betrachtung eines Verkehrssystems unter Vernachlässigung der Systemumgebung kann zu fehlerhaften Schlussfolgerungen führen.
Die Begriffe Verkehrszweig/ Verkehrsträger und Verkehrssystem werden häufig synonym gebraucht. Das kann jedoch zu Missverständnissen führen: Man kann ein Verkehrssystem so abgrenzen, dass es einen Verkehrsträger umfasst (Siehe deren Definition!). Aber ein Verkehrssystem kann auch so abgegrenzt werden, dass es nur Teile eines Verkehrsträgers (z. B. Straßengüterverkehr) oder auch mehrere Verkehrsträger umfassen kann (z. B. europäisches Verkehrssystem). Aus diesen Gründen sollte mit dem Begriff „Verkehrssystem“ wissenschaftlich-vorsichtig umgegangen werden.
Abgrenzung von Verkehrssystemen kann beispielsweise nach den benutzten Verkehrsmitteln bzw. Verkehrswegen erfolgen: Schiene, Straße, Wasserstraßen, Luftkorridore, Kraftverkehr, Eisenbahn, ÖPNV, Flugzeug, Schiff,
Siehe auch
- Verkehr
- Verkehrsmittel
- Verkehrsweg
- Transportmittel
- Verkehrsträger
- Verkehrszweig
- Verkehrswissenschaften
- Verkehrsknoten
- Themenliste Straßenverkehr
- Logistik
- Verkehrsbauwesen
- Hochschule für Verkehrswesen
Weblinks
- [http://www.studienberatung.tu-berlin.de/faecher/verkehr/verkehr.html Diplomstudiengang Verkehrswesen an der TU-Berlin]
- http://www.ruhr-uni-bochum.de/verkehrswesen/
- http://www.ifv.uni-karlsruhe.de/
- [http://www.hfv-dd.de/ Traditionsseiten für die Fachschaft Verkehrswissenschaften Dresden]
- [http://www.vkw.tu-dresden.de/ Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List"]
Kategorie:Verkehr
Kategorie:Transport & Verkehr
Öffentlicher VerkehrAls Öffentlichen Verkehr (ÖV) bezeichnet man Mobilitäts- und Verkehrsdienstleistungen aus dem Verkehrswesen, die für jeden Nutzer in einer Volkswirtschaft bzw. in der Bevölkerung zugänglich sind, insbesondere die Leistungen des öffentlichen Gütertransports, der öffentlichen Personenbeförderung sowie Leistungen öffentlich zugänglicher Post- und Telekommunikationsdienste. Die Merkmale des ÖV sind allgemeine Zugänglichkeit für jeden Nutzer (Beförderungs- bzw. Transportpflicht), Ausführung durch spezielle (evtl. konzessionierte) Verkehrsunternehmen sowie die Fixierung von Beförderungsbedingungen bzw. -vorschriften und Preisen in veröffentlichten Rechtsnormen (Fahrplan- und Tarifpflicht). Damit weist der ÖV Merkmale von Offenen Systemen auf.
Die Träger des öffentlichen Verkehrs können öffentliche oder private Verkehrsunternehmen sein, die für "ihre" Verkehrsaufgaben besonders spezialisiert sein können (vgl. Verkehrszweige), so z. B. der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV).
Besonderheit: Auch der öffentlich zugängliche Straßenverkehrsraum kann i. w. S. als Bestandteil des offenen Verkehrssystems aufgefasst werden, auch wenn dieser öffentliche Verkehrsraum u.a. für die Umsetzung nicht öffentlicher Mobilitätsbedürfnisse in Form des Motorisierten Individualverkehrs (private Personenbeförderung) bzw. des Werkverkehrs/ Innerbetrieblichen Transports (privater Wirtschaftsverkehr, Gütertransport) genutzt wird und gegenwärtig keine Tarife für die Nutzung dieses Systems erhoben werden.
Siehe auch
- Verkehr
- Verkehrsträger
- Verkehrsökologie
- Verkehrsingenieurwesen
- Verkehrswissenschaften
- Hochschule für Verkehrswesen
Weblinks
- [http://www.vkw.tu-dresden.de/ Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List"]
- [http://www.hfv-dd.de/ Traditionsseiten für die Fachschaft Verkehrswissenschaften Dresden]
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
VerkehrsbedarfVerkehrsbedürfnis ist die Bezeichnung für ein Bedürfnis nach Ortsveränderung. Um das Verkehrsbedürfnis umsetzen zu können, ist Mobilität notwendig, also die grundsätzliche Fähigkeit zur Überwindung räumlicher Entfernungen. Das V. ist eine Mangelerscheinung, ein Gefühl, was einen Menschen befällt, wenn er ein räumlich entferntes Ding haben, machen, tun oder lassen will - oft auch mit Rastlosigkeit, Fernweh und anderen Begriffen umschrieben. "Haben, machen, tun oder lassen" sind in diesem Zusammenhang Primärbedürfnisse, die eigentlichen Auslöser für den Wunsch nach Ortsveränderung. Wäre das Ding vor Ort zu haben, zu tun, zu machen usw., bräuchte man den Verkehrsprozess gar nicht und könnte das eigentlich empfundene Bedürfnis sofort befriedigen. Jeder Verkehrsprozess ist also gleichzeitig Ausdruck dafür, dass ein Primärbedürfnis am Quellort nicht zu befriedigen war und ist somit immer an ein Primär- und das daraus abgeleitete Verkehrsbedürfnis gebunden.
Die Befriedigung des Primärbedürfnisses erfolgt i.d.R. nach Beendigung des Verkehrsprozesses, also nach Ankunft am Ziel des Verkehrsweges. Beispiel: Fahrt zum Einkaufen, wobei der Erwerb von Gütern das Primärbedürfnis ist und oft erst nach Beendigung der Fahrt bedient wird. Die Befriedigung des Verkehrsbedürfnisses und des Primärbedürfnisses kann jedoch auch zeitlich zusammenfallen. Beispiel: Fahrt ins Grüne zur Erholung, wobei die Erholung das Primärbedürfnis ist und gleichzeitig mit der Reise stattfindet.
Daran wird deutlich, dass Verkehrsdienste im Prinzip Hilfsdienste für die Realisierung übergeordneter Bedürfnisse sind. Das wiederum bedeutet, dass der Verkehrsprozess als Hilfsprozess immer eine untergeordnete Bedeutung im Vergleich zum Primärprozess spielt und dass der Verkehrsaufwand immer minimal im Vergleich zum Primärprozess sei. Der Verkehrsprozess und somit das gesamte Verkehrswesen unterliegen daher einem hohen Effizienz- und Effektivitätsdruck. Dieser Zusammenhang ist fundamental für das Verständnis der "Logik des Verkehrswesens" sowie für die Interpretation der Verkehrsgeschichte.
Die Menge aller möglichen Primärbedürfnisse, die auf einen Verkehrsprozess folgen können bzw. die teilweise bereits während des Verkehrsprozesses befriedigt werden können, ermöglicht eine Systematisierung der Verkehrsprozesse in
- Freizeitverkehr - Ortsveränderungsprozesse, die der Befriedigung freizeitbezogener Bedürfnisse dienen,
- Wirtschaftsverkehr - Ortsveränderungsprozesse, die der Befriedigung wirtschaftsbezogener Bedürfnisse dienen
- Berufsverkehr - Ortsveränderungsprozesse, die der Befriedigung beruflicher Bedürfnisse dienen,
- Ausbildungsverkehr,
- Geschäfts- bzw. Dienstreiseverkehr,
- Einkaufsverkehr,
- Urlaubsverkehr.
Unter Einbeziehung der verfügbaren Ressourcen für die Ortsveränderung (insbesondere Geld und Zeit) entsteht aus dem Verkehrsbedürfnis der Verkehrsbedarf, aus dem sich im Abgleich mit den verfügbaren Verkehrsmitteln im Verkehrswesen die marktwirksame Verkehrsnachfrage entwickelt. Die Nachfrage am Verkehrsmarkt wird durch das Verkehrsaufkommen (gemessen in Tonnen, Personen, Fahrzeuge, Datenvolumen etc.) bzw. durch die Verkehrsleistung (Personenkilometer, Tonnenkilometer, MBit/s) quantifiziert. Die Befriedigung der Verkehrsnachfrage erfolgt durch Mobilitätsdienste bzw. Verkehrsdienstleistungen, Kommunikationsdienste etc.
Vor Realisierung jedes Verkehrsprozesses erfolgt die Abwägung, ob der mit der Ortsveränderung verbundene Verkehrszweck auch wirklich zu erwarten ist.
Beachte: Der Begriff "Bedürfnis" wird auch synonym zum Begriff "Motivation" verwendet.
Siehe auch
- Verkehrswirtschaft
- Verkehrswissenschaften
- Gütertransport
- Personenverkehr
Kategorie:Verkehr Kategorie:Transport & Verkehr
VerkehrsbetriebstechnologieDie Verkehrsbetriebstechnologie ist ein Aufgabengebiet im Verkehrsingenieurwesen bzw. in der Logistik, welchem die Planung und Durchführung des Betriebs von Verkehrssystemen bzw. den optimalen Einsatz von Verkehrsmitteln zum Zwecke einer nachhaltigen, sicheren, wirtschaftlichen und leistungsfähigen Ortsveränderung von Personen, Gütern oder Nachrichten (vgl. Verkehr) obliegt.
Synonyme sind: Transport-/ Verkehrstechnologie, Technologie der (öffentlichen) Verkehrssysteme, Betriebstechnik der Verkehrsmittel, Verkehrssystemmanagement.
Themen
- Betriebsplanung (z. B. Erstellen von Betriebsprogrammen: Linien- und Fahrplangestaltung, Kapazitätsbemessung)
- Betriebsführung (z. B. Durchführung von Betriebsprogrammen: Flottenmanagement, Mobilitätsmanagement)
- Betriebssicherung (z. B. Risiko- und Schwachstellenanalyse, technische und betriebliche Sicherung), vgl. auch Verkehrssicherungswesen.
Siehe auch
- Mobilität
- Verkehr
- Verkehrsplanung
- Verkehrswissenschaften
- Öffentlicher Verkehr
- Fundamentaldiagramm
Weblinks
- [http://www.vkw.tu-dresden.de/ Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List"]
- [http://www.hfv-dd.de/ Traditionsseiten für die Fachschaft Verkehrswissenschaften Dresden]
Kategorie:Verkehr
Kategorie:Liste (Verkehr)
Kategorie:Fahrzeug
Kategorie:Transport & Verkehr
Kategorie:Schienenverkehr
Kategorie:Schifffahrt
Kategorie:Luftverkehr
Kategorie:Postwesen
Kategorie:Telekommunikation
Kategorie:Verkehrstechnik
Kategorie:Logistik
Modal Split]
Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die Verteilung eines Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsträger (Modi) genannt. Andere gebräuchliche Bezeichnungen im Personenverkehr sind Verkehrsmittelwahl.
Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen Entscheidungen von Unternehmen einerseits und des Verkehrsangebots andererseits.
Gebräuchliche Kategorisierungen der Verkehrsträger
im Personennahverkehr
- Motorisierter Individualverkehr (MIV)
- PKW
- Motorrad
- Öffentlicher Verkehr (ÖV)
- Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
- Schienenpersonennahverkehr (SPNV)
- Schienenpersonenfernverkehr (SPFV)
- Nichtmotorisierter Individualverkehr (NMIV)
- Fahrradverkehr
- Fußverkehr
Im Personenfernverkehr
- Luftverkehr
- Eisenbahn
- Pkw (MIV)
- Fernbusse werden in Europa selten gesondert berücksichtigt
Im Güterverkehr
- Luftfracht
- Straßengüternahverkehr
- Straßengüterfernverkehr
- Werksverkehr
- Schienengüterverkehr
- Rohrleitungsverkehr
- Binnenschifffahrt
- Seefracht
Bezugsgrößen
Je nachdem, wie der Modal Split berechnet wird, können sehr unterschiedliche Ergebnisse auftauchen. Berechnungsgrundlagen können sein:
- (Personen-)fahrten (auch "Beförderungsfälle"): in den kommunalen Nahverkehrsplänen verwendet; dabei werden vor allem die Berufspendler und die Ausbildungspendler berücksichtigt
- Personen- bzw. Tonnenkilometer (Transportleistung; gängiger Maßstab)
- Fahrzeugkilometer
Umweltpolitische Aspekte
Trotz zahlreicher Kategorien wird beim Modal Split oft eine Zusammenfassung von als umweltverträglich geltenden Verkehrsmitteln (bei Gütern: Schiene, Rohr und Schiff; bei Personen: "Umweltverbund") den als nicht umweltverträglich geltenden Verkehrsmitteln (Flugzeug, Lkw und Pkw) gegenübergestellt. Daher auch die Rede vom "Verschieben des Modal Splits" zugunsten des Umweltverbundes.
"Umweltverträglich" kann man mit "nachhaltige Mobilität fördernd" eindeutiger beschreiben.
Siehe auch
- Mobilität
- Verkehr
- Verkehrsmittel
- Verkehrszweig
- Verkehrsträger
- Verkehrssystem
- Umweltverbund
- Sanfte Mobilität
- Kombinierter Verkehr
- Verkehrswesen
- Verkehrswissenschaften
Weblinks
Kategorie:Transport & Verkehr
[http://www.tu-dresden.de/srv/SrV_Web/index.html Erhebung des Modal Splits durch SrV (TU Dresden)]
BrancheAls Wirtschaftszweig oder Branche [] bezeichnet man in der Wirtschaft eine Gruppe von Unternehmen, die ähnliche Produkte herstellen oder ähnliche Dienstleistungen erbringen. Daneben kommt es auch zu einer Zusammenfassung von Betrieben, die dasselbe Herstellungsverfahren (z.B Baugewerbe) oder die gleichen Ausgangsprodukte (Mineralölverarbeitung) benutzen. Unternehmen sind zumeist auf der Ebene von Wirtschaftszweigen organisiert (zum Beispiel Verband der Chemischen Industrie; Einzelhandelsverband) und Tarifverträge werden (zumindest in Deutschland) auf Branchenebene abgeschlossen.
Eine für den deutschen Wirtschaftsraum allgemein gültige Einordnung von Unternehmen in sog. Wirtschaftszweige nimmt seit 1950 das Statistische Bundesamt vor. Die aktuelle Klassifikation von 2003 (WZ 2003) basiert auf der durch einzelne EG-Verordnungen verbindlich eingeführten statistischen Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft (NACE Rev.1.1).
Verwendet wird dieser Begriff auch in Telefonbüchern oder Branchenbüchern um ein Auffinden von Erzeugern bestimmter Artikel zu erleichtern, z.B. in den Gelben Seiten.
Im Zusammenhang mit dem Begriff "Branche" steht auch der Begriff "relevanter Markt" (Marketing) bzw. Geschäftsfeld/ unternehmerisches Umfeld (strategisches Management).
Siehe auch
- Wirtschaftssektor
Weblinks
- [http://www.destatis.de/ Statistisches Bundesamt Deutschland] - Unterhält die Klassifizierung der Wirtschaftszweige
Kategorie:Volkswirtschaftslehre
Verkehrswirtschaft - Verkehrswirtschaft (Wirtschaftszweig): Branche innerhalb einer Volkswirtschaft sowie deren Hilfs- und Nebenbereiche, deren Unternehmen (Verkehrsunternehmen) als Hauptgeschäftstätigkeit Güter bzw. Dienstleistungen produzieren (u. a. Verkehrsdienstleistungen), die der Ortsveränderung von Gütern, Personen oder Nachrichten dienen; i. w. S. das Verkehrswesen.
- Verkehrswirtschaft (Wissenschaftszweig) bzw. Verkehrswirtschaftslehre: Zweig der Wirtschaftswissenschaften bzw. der Verkehrswissenschaften, der sich mit den ökonomischen Gegebenheiten im Zusammenhang mit der Ortsveränderung von Gütern, Personen und Nachrichten am Verkehrsmarkt bzw. im Verkehrswesen befasst (z. B. Angebot und Nachfrage (Verkehrsbedürfnis) von Mobilitätsdienstleistungen, Wettbewerb etc.). Arbeitsfelder sind u. a. die volkswirtschaftliche Analyse des Verkehrswesens (oft auch als Verkehrswissenschaft bezeichnet), die betriebswirtschaftliche Untersuchung von einzelnen Branchen oder Unternehmen des Verkehrswesens (Verkehrsbetriebslehre), die Untersuchung besonderer Bereiche innerhalb der Verkehrswirtschaft, wie z. B. die Kommunikationswirtschaft (KEP und Telekommunikation, die Tourismuswirtschaft (vgl. Tourismus), den Öffentlicher Verkehr, die Logistik u. a.) und Schnittstellenbereiche, wie z. B. die Raumplanung/Raumordnung/Verkehrsgeografie, Verkehrsplanung, Verkehrsstatistik, Verkehrsökonometrie, Verkehrspolitik.
Siehe auch
- Wirtschaft
- Wirtschaftsverkehr
- Mobilität
- Verkehr
- Verkehrsträger
- Verkehrszweig
Weblinks
- [http://www.vkw.tu-dresden.de/ Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List"]
- [http://www.hfv-dd.de/ Traditionsseiten für die Fachschaft Verkehrswissenschaften Dresden]
Kategorie:Verkehr Kategorie:Transport & Verkehr Kategorie:Wirtschaft
Öffentlicher VerkehrAls Öffentlichen Verkehr (ÖV) bezeichnet man Mobilitäts- und Verkehrsdienstleistungen aus dem Verkehrswesen, die für jeden Nutzer in einer Volkswirtschaft bzw. in der Bevölkerung zugänglich sind, insbesondere die Leistungen des öffentlichen Gütertransports, der öffentlichen Personenbeförderung sowie Leistungen öffentlich zugänglicher Post- und Telekommunikationsdienste. Die Merkmale des ÖV sind allgemeine Zugänglichkeit für jeden Nutzer (Beförderungs- bzw. Transportpflicht), Ausführung durch spezielle (evtl. konzessionierte) Verkehrsunternehmen sowie die Fixierung von Beförderungsbedingungen bzw. -vorschriften und Preisen in veröffentlichten Rechtsnormen (Fahrplan- und Tarifpflicht). Damit weist der ÖV Merkmale von Offenen Systemen auf.
Die Träger des öffentlichen Verkehrs können öffentliche oder private Verkehrsunternehmen sein, die für "ihre" Verkehrsaufgaben besonders spezialisiert sein können (vgl. Verkehrszweige), so z. B. der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV).
Besonderheit: Auch der öffentlich zugängliche Straßenverkehrsraum kann i. w. S. als Bestandteil des offenen Verkehrssystems aufgefasst werden, auch wenn dieser öffentliche Verkehrsraum u.a. für die Umsetzung nicht öffentlicher Mobilitätsbedürfnisse in Form des Motorisierten Individualverkehrs (private Personenbeförderung) bzw. des Werkverkehrs/ Innerbetrieblichen Transports (privater Wirtschaftsverkehr, Gütertransport) genutzt wird und gegenwärtig keine Tarife für die Nutzung dieses Systems erhoben werden.
Siehe auch
- Verkehr
- Verkehrsträger
- Verkehrsökologie
- Verkehrsingenieurwesen
- Verkehrswissenschaften
- Hochschule für Verkehrswesen
Weblinks
- [http://www.vkw.tu-dresden.de/ Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List"]
- [http://www.hfv-dd.de/ Traditionsseiten für die Fachschaft Verkehrswissenschaften Dresden]
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
Oeffentlicher Verkehr
SeeschifffahrtUnter Seefahrt versteht man das Befahren von Ozeanen und Meeren mit Schiffen und Booten.
Man unterscheidet die Küstenschifffahrt von der Hochseeschifffahrt.
Für die Seeschifffahrt gelten andere Vorschriften als für die Binnenschifffahrt. In den deutschen Hoheitsgewässern wird dies durch die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung geregelt.
Die Seefahrt zählt zu den ältesten Tätigkeiten des Menschen. Bereits gegen Ende der Altsteinzeit besiedelten die ersten Seefahrer Australien. Seefahrervölker besiedelten zahlreiche Inseln, insbesondere im Pazifik. Nach neueren Erkenntnissen erfolgte auch die Besiedlung Amerikas entlang der Westküste durch Seefahrer. In der Bronzezeit entstand im östlichen Mittelmeerraum die erste Seeschifffahrt.
Die Seefahrt kann nach Einsatzzwecken unterteilt werden in
# Handelsschifffart (siehe auch Seehandel, Handelsschiff, Binnenschifffahrt)
##Passagierschifffahrt
##Frachtschifffahrt
##Fährschifffahrt
# militärische Schifffahrt (siehe auch Kriegsmarine)
# Kaperfahrt
# Forschungsschifffahrt
# Sportschifffahrt
Das Leben an Bord war und ist teilweise noch von strenger Hierarchie und Disziplin bestimmt. Lange Zeit war der Kapitän Master next God und vielfach Herr über Leben und Tod. Auch heute noch ist der Kapitän derjenige an Bord, der die Gesamtverantwortung trägt und besondere Befugnisse hat, die über andere Fahrzeugführer im Land- oder Luftverkehr hinausgehen. Die Besatzung selbst ist seit der Antike militärartig gegliedert. Die Unterscheidung zwischen Offizieren und Mannschaften war strikt und besteht - in abgeschwächter Form - noch heute. Allerdings hat die massive Technisierung und Rationalisierung im 20. Jahrhundert erhebliche Veränderungen mit sich gebracht. Die Schiffsbesatzungen wurden erheblich kleiner. Seeleute (Matrosen) müssen stärker in verschiedene Richtungen qualifiziert sein und in besonderem Maß neben der klassischen nautischen Kompetenz technische Kompetenz besitzen. Das Leben an Bord ist zwar heute komfortabler als früher, dafür sind die Liegezeiten in den Häfen sehr kurz geworden.
Abgeleitete Begriffe
Seefahrer - Seefahrtsschule - Seefahrtsbuch - christliche Seefahrt - Seefahrtsberufe - Seefahrtsromantik
Schiffsarten
Segelschiff - Dampfschiff - Katamaran - Kriegsschiff - Schlepper
Literatur
- Zum Los der Seeleute in der beginnenden Neuzeit siehe den literarischen Bericht von Heinrich Hasebeck in dem von Andreas Venzke herausgegebenen Buch Gasparan oder Die letzte Fahrt des Francis Drake, Benziger-Verlag, Zürich 1996 ISBN 3-545-36531-X
- Zu den Veränderungen im internationalen Transportgewerbe auf See und zur beruflichen Stellung der Seeleute siehe das wissenschaftliche Werk von Heide Gerstenberger und Ulrich Welke: Arbeit auf See - Zur Ökonomie und Ethnologie der Globalisierung, Verlag Westfälisches Dampfboot ISBN 3-89691-575-4
Siehe auch: Seehafen - Karthago - Piraten - Hanse - Wikinger- Navigation - Bunker - Heinrich der Seefahrer - Katastrophen der Seefahrt - Seemannschaft - Klabautermann
Weblinks
- [http://www.grosse-seefahrt.de GROSSE-SEEFAHRT.DE : Schifffahrt-Portal für Seeleute und Seefahrer]
- [http://www.rechnungswesenforum.de/verzeichniss/index/World/Deutsch/Wirtschaft/Verkehr_und_Logistik/Schifffahrt/Aus-_und_Weiterbildung/ Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Schifffahrt]
Kategorie:Seeschifffahrt
ja:海運
KraftverkehrUnter Kraftverkehr bezeichnet man grundsätzlich die Ortsveränderungsprozesse von Personen und Gütern unter Verwendung von kraftmaschinengetriebenen Fahrzeugen (Kraftfahrzeugen). Zusätzlich dient der Begriff der Bezeichnung des Verkehrszweiges "Straßengüter- und Straßenpersonenverkehr", dessen Aufgabe die öffentliche Bereitstellung von Verkehrsdiensten im Straßenverkehr ist, z. B. Omnibusbetriebe, Fuhrunternehmen etc.
Der Begriff wird umgangssprachlich auch als Synonym für den (Straßen-)Gütertransport verwendet, obwohl diese Bedeutung nicht die tatsächliche Aufgabenfülle des Kraftverkehrs abdeckt.
Siehe auch
- Verkehr
- Straßenverkehr
- Transportwesen
Weblinks
- [http://www.hfv-dd.de/ Traditionsseiten für die Fachschaft Verkehrswissenschaften Dresden]
- [http://www.vkw.tu-dresden.de/ Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List"]
Kategorie:Verkehr
Kategorie:Verkehrstechnik
Kategorie:Kraftfahrzeug
Kategorie:Fahrzeug
Kategorie:Logistik
LuftfahrtAls Luftfahrt (auch Aviatik, von lat. avis = Vogel) bezeichnet man Reisen und Gütertransport durch die Erdatmosphäre. Der Begriff umfasst heute allgemein alle Personen, Unternehmen, Tätigkeiten und Teilgebiete (auch auf dem Boden), die den Betrieb von Fluggeräten betreffen.
Es wird grundsätzlich unterschieden zwischen:
- ziviler Luftfahrt, welche wiederum aufgeteilt ist in:
- den kommerziellen Luftverkehr
- die allgemeine Luftfahrt
- und den Luftsport
- und militärischer Luftfahrt
Technisch betrachtet gibt es zwei Sorten von Luftfahrzeugen:
- schwerer als Luft: Flugzeuge, Hubschrauber
- Leichter als Luft: Ballone, Luftschiffe (Zeppelin als der bekannteste Vertreter)
Ob Fliegen oder Fahren als Begriff für die Fortbewegung verwendet wird, hängt von der oben genannten Art und Weise der Auftriebserzeugung ab. Ballone und Luftschiffe „schwimmen“ durch ihren statischen Auftrieb in der Luft ähnlich einem Schiff im Wasser. Ihre Fortbewegung wird daher als Fahren bezeichnet. Da Ballone und Luftschiffe die Begründer des Luftverkehrs waren, etablierte sich der Begriff Luftfahrt.
Flugzeuge und Hubschrauber erzeugen ihren dynamischen Auftrieb durch Bewegungen durch die Luft (Fortbewegunggeschwindigkeit bzw. Rotationsgeschwindigkeit) Ihre Fortbewegungsart nennt man Fliegen. Die Funktionsweisen werden im Kapitel Luftfahrzeuge näher erläutert.
In letzter Zeit gewinnt (vor allem im Militärwesen) die unbemannte Luftfahrt an Bedeutung.
Siehe auch
- Portal:Luftfahrt - Anlaufstelle zum Thema Luftfahrt in der Wikipedia
- Geschichte der Luftfahrt, Flugpionier, Katastrophen der Luftfahrt
- Allgemeine Luftfahrt, Luftsport
- Luftverkehr, Fluggesellschaft, Start- und Landebahn
- Flugfunk
- Flugplan
- Luftsicherheit
- Fliegersprache
- Luftfahrttechnik
Weblinks
- http://www.erklaert.de - Wissenswertes zur Verkehrsluftfahrt
- http://www.lba.de - Luftfahrt-Bundesamt
!Luftfahrt
ja:航空
LeitungsverkehrLeitungsverkehr ist die Ortsveränderung von Gütern und Nachrichten durch Leitungen; Leitungen sind dabei a) Rohre oder Rinnen, die zur Beförderung gasförmiger und flüssiger, auch verflüssigter Güter dienen (Rohrleitungstransport), oder b) Kabel für den Transport von nicht stofflichen Gütern (Elektrizität) oder Nachrichten (Telekommunikation) in Form von potentieller/ elektrischer Energie.
Siehe auch
- Verkehrswesen
- Gütertransport
- Verkehrszweig
Kategorie:Transport & Verkehr
Energie
Energie ist eine physikalische Zustandsgröße. Üblicherweise wird für die Energie das Formelzeichen E verwendet. Die Energie E eines Systems lässt sich selbst nicht messen, sie wird berechnet oder über die durch sie verrichtete Arbeit bestimmt.
Der Begriff wurde von dem schottischen Physiker William John Macquorn Rankine im Jahr 1852 im heutigen Sinn in die Physik eingeführt und leitet sich aus dem Griechischen ab: εν = in, innen und εργον = Werk, Wirken. Energie bedeutet ganz allgemein also eine den in der Physik betrachteten Objekten innewohnende Wirksamkeit. Zuvorderst wird sie als etwas verstanden, das in Arbeit umgewandelt werden kann. Energie ist danach die Fähigkeit eines Körpers, Arbeit zu verrichten. Vor 1852 wurde für Energie der Begriff Kraft, in Deutschland auch "lebendige Kraft", benutzt. Der neuerdings an Stelle von Wärmeenergie benutzte Begriff innere Energie ist ebenso pleonastisch gebildet wie etwa nasser Regen oder weißer Schimmel; philologisch korrekt müsste hier von innerer Energie gesprochen werden.
Energieformen
Bei den physikalischen Vorgängen treten viele verschiedene Energieformen auf, die hier zu 4 Gruppen zusammengefasst sind. Da diese Einteilung willkürlich ist, gibt es Sammelbegriffe für Energieformen, die spezielle Energieformen aus unterschiedlichen Gruppen kombinieren.
Energie ist, unabhängig von der Energieform, eine charakterisierende Größe für den Zustand eines Systems, eine so genannte Zustandsgröße.
Mechanische Energie
Die Energie eines mechanischen Systems kann immer als Summe von kinetischer und potenzieller Energie dargestellt werden. Die beiden Begriffe werden über die klassische Mechanik und die Quantenmechanik hinaus in fast allen Bereichen der Physik verwendet.
- Kinetische Energie wird auch als Bewegungsenergie bezeichnet. Sie wird durch die Bewegung eines Systems gegenüber eines anderen Systems und durch seine Masse bestimmt und setzt sich aus Translationsenergie und Rotationsenergie zusammen.
- Potentielle Energie wird auch als Lageenergie bezeichnet. In der Mechanik ist sie die Energie eines Systems, die es durch seine Lage in einem Kraftfeld besitzt, zum Beispiel im Gravitationsfeld der Erde.
- Schwingungsenergie: Beim Pendel wechselt die potentielle Energie bei maximaler Auslenkung mit der gleich großen kinetischen Energie während des Durchgangs durch die Ruhelage ab. Über die Mechanik hinaus sind Schwingungen allgemein durch einen periodischen Wechsel zwischen zwei Energieformen charakterisiert.
- Elastische Energie ist die potentielle Energie der aus ihrer Ruhelage verschobenen Atome oder Moleküle in einem elastisch deformierten Körper, beispielsweise einer mechanischen Feder. Allgemein bezeichnet man die Energie, die bei der elastischen oder plastischen Verformung in dem Körper gespeichert (oder freigesetzt) wird, als Deformationsenergie.
- Schallenergie: Beim Schall schwingen die Atome in Folge der Elastizität eines Festkörpers oder der Kompression einer Flüssigkeit oder eines Gases im Takt der Frequenz zwischen der potenziellen Energie der Auslenkung aus ihrer Ruhelage und der kinetischen Energie beim Durchgang durch diese Ruhelage. Der Begriff akustische Energie bezieht sich auf alle akustische (teils nicht von Menschen wahrnehmbare) Schwingungen.
- Wellenenergie ist ein Sammelbegriff, der nicht nur auf die akustischen Wellen zutrifft, sondern auf alle räumlich ausgebreiteten Schwingungsphänomene wie z. B. Wasserwellen und elektromagnetische Wellen.
Weder Schwingungs-, noch Schall- noch Wellen-Energie sind eigene Energien als Zustandsgrössen, denn Schwingung, Schall und Welle beschreiben in der Zeit ablaufende Vorgänge, also keine Zustände. In den Erläuterungen werden auch richtig die Energien (potentielle und kinetische) genannt, die als mechanische Energien alleine bei diesen Vorgängen wesentlich sind.
Elastische Energie ist die potentielle Energie in der Ruhelage. Wird ein Körper aus der Ruhelage verschoben, so ergibt sich eine potentielle Energieänderung, die durch die Verschiebung bewirkt wird und die in die Energiebilanz gehört.
Solche unscharfen Erläuterungen zu Energien erschweren ihre sorgfältigen Definitionen.
Thermische und innere Energie
Thermische Energie ist die Energie, die in der ungeordneten Bewegung der Atome oder Moleküle eines Stoffes gespeichert ist. Thermische Energie wird umgangssprachlich oft auch fälschlicherweise als Wärmeenergie, Wärmeinhalt oder Wärmemenge bezeichnet. Die Erscheinungsformen der thermischen Energie werden durch die Thermodynamik beschrieben. Ein anschauliches Beispiel für die komplexen Abhängigkeiten der dabei zu beobachtenden physikalischen Phänomene ist das Schmelzen von Eis und das Entstehen von Wasserdampf aus Wasser durch Zufuhr von thermischer Energie.
Die Summe aus thermischer Energie, Schwingungsenergie im Körper und Bindungsenergie bezeichnet man als Innere Energie (philologisch korrekt eigentlich innere Ergie; vgl. Einleitung des Artikels Energie).
Elektrische und magnetische Energie
- Elektrische Energie ist als potenzielle Energie im elektrostatischen Feld von elektrischen Ladungen gespeichert.
- Magnetische Energie ist im magnetischen Feld enthalten.
- Elektromagnetische Schwingungsenergie: Durch Induktion wechselt elektrische Energie im Takt der Frequenz mit magnetischer Energie. Dies findet in elektrischen Schwingkreisen statt, aber auch im Raum, in dem sich das elektromagnetische Feld ausbreitet. Dann spricht man von elektromagnetischer Strahlungsenergie oder Photonenenergie und speziell für den sichtbaren Frequenzbereich von Lichtenergie.
Bindungsenergie
- Chemische Energie: Energie, welche in der chemischen Bindung von Atomen oder Molekülen enthalten ist. Sie wird bei exothermen Reaktionen frei und muss für endotherme Reaktionen hinzugefügt werden.
- Kernenergie: Energie der Bindung der Protonen und Neutronen im Atomkern. Sie wird bei einer Kernreaktion in die Bindungsenergie der Reaktionsprodukte, also neuer Atomkerne umgesetzt, und in verschiedene Arten von Strahlung.
Materie
Masse und Energie sind äquivalent (Albert Einstein).
:
Dies wird z. B. bei der Kernspaltung und der Kernfusion ausgenutzt. Außer bei Experimenten in der Elementarteilchenphysik und manchen Kapiteln der Astrophysik ist jedoch die mit Energieänderungen des Systems einhergehende Massendifferenz weit unterhalb der Messgenauigkeit. In einigen Bereichen der Physik rechnet man in natürlichen Einheiten (), sowohl für Energie als auch für Masse benutzt man die Einheit Elektronenvolt.
Umwandlung der Energieformen und Energienutzung
Energie kann in physikalischen Vorgängen weder erzeugt noch vernichtet, sondern nur in verschiedene Energiearten umgewandelt werden. In einem geschlossenen System gilt der Energieerhaltungssatz, der einer der am genauesten experimentell gesicherten Sätze der Physik ist. Auch die Theorie unterstützt diese Überzeugung: In abgeschlossenen Systemen ist Energie eine Erhaltungsgröße.
In offenen Systemen hat die Energie Neigung, den zur Verfügung stehenden Raum gleichmäßig auszufüllen. Die dabei auftretenden und zu beobachtenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten führen zur Entropie, einer thermodynamischen Zustandsgröße mit dem gleichen Stellenwert wie die Energie.
Durch eine am System verrichtete Arbeit wird die Energie des Systems erhöht. Verrichtet das System selbst Arbeit, so wird seine Energie geringer. Die Arbeit verursacht hier also eine Zustandsänderung in Form einer Temperatur-, Form-, Lage- oder Beschleunigungsänderung.
Der Begriff Energienutzung bezieht sich auf die Umwandlung von einer Energieform in eine andere Energieform (→ Arbeit). Eine Energieerzeugung ist aufgrund des Energieerhaltungssatzes nicht möglich. Das gleiche gilt für Energieverbrauch, Energieverschwendung, Energiesparen und Energieverlust. In der Umgangssprache werden diese Worte oft mit moralischer Wertung für die Energieumwandlung verwendet. Weiterhin ist es nicht möglich, die Energieformen beliebig ineinander umzuwandeln. Insbesondere ist es unmöglich, dass ein System seine Wärmeenergie komplett als Arbeit abgibt.
Beispiele für die Energieumwandlung sind die Erzeugung von Licht und Wärme aus elektrischer Energie über einen elektrischen Widerstand und die Umwandlung der elektrischen Energie mit Hilfe des Elektromagnetismus über magnetische Felder in einem Elektromotor in kinetische Energie.
Chemische Energie eines Brennstoffs wird bei der Verbrennung in Wärmeenergie verwandelt oder in Verbrennungsmotoren (als Kraftstoff) in kinetische Energie umgewandelt. Abhängig vom Wirkungsgrad der Motoren wird ein relativ großer Anteil der verbrauchten Energie direkt in Abwärme umgewandelt.
Kinetische Energie wird bei der Bewegung entgegen dem Schwerefeld der Erde, also bergauf, in potentielle Energie oder über Reibung in Wärmeenergie oder akustische Energie umgewandelt.
In Elektrizitätswerken wird elektrischer Strom erzeugt. Entweder wird dabei vorhandene potentielle Energie (Speicherkraftwerk) oder kinetische Energie (Laufkraftwerk, Windenergieanlage) über Generatoren in elektrische Energie umgewandelt oder es wird der Umweg über eine Wärmekraftmaschine gewählt, um aus Wärme Energie zu gewinnen. Beispiele dafür sind Wärmekraftwerke, die mit Kohle, Öl, Gas, Biomasse, Kernkraft oder auch Müll betrieben werden.
Strahlungsenergie, auch in Form von akustischer Energie, wird beim Auftreffen auf eine absorbierende Fläche meistens in Wärmeenergie verwandelt.
Energieversorgung und -verbrauch
Mit Energieversorgung und -verbrauch( - ) wird die Nutzung von verschiedenen Energien in für Menschen gut verwendbaren Formen bezeichnet. Die von Menschen am häufigsten benutzten Energieformen sind Wärmeenergie und Elektrizität. Die menschlichen Bedürfnisse richten sich vor allem auf die Bereiche Heizung, Nahrungszubereitung und den Betrieb von Einrichtungen und Maschinen zur Lebenserleichterung. Hierbei ist das Thema Fortbewegung und der Verbrauch z. B. fossiler Energieträger in Fahrzeugen nicht unerheblich.
Die verschiedenen Energieträger können über Leitungen die Verbraucher erreichen, wie typischerweise elektrischer Energie, Erdgas, Fernwärme und Nahwärme, oder sie sind weitgehend lagerfähig und beliebig transportfähig, wie z. B. Steinkohle und Braunkohlen, Heizöle, Kraftstoffe (Benzine, Dieselkraftstoffe), Industriegase,
Kernbrennstoffe (Uran), Biomassen (Holz u. a.).
Der Energieverbrauch ist weltweit sehr unterschiedlich und in den Industrieländern um ein vielfaches höher als z. B. in der dritten Welt.
In industriell hoch entwickelten Ländern haben sich seit dem 19. Jahrhundert Unternehmen mit der Erzeugung und Bereitstellung von Energie für den allgemeinen Verbrauch beschäftigt. Hierbei steht die zentrale Erzeugung von elektrischer Energie sowie die Übertragung an die einzelnen Verbraucher im Vordergrund. Weiterhin ist die Beschaffung, der Transport und die Verwandlung von Brennmaterial zu Heizzwecken ein wichtiger Wirtschaftszweig.
Ca. 40 Prozent des weltweiten Energiebedarfes wird durch elektrische Energie gedeckt. Spitzenreiter im Verbrauch dieses Anteils sind mit ca. 20 Prozent elektrische Antriebe. Danach ist die Beleuchtung mit 19 Prozent, die Klimatechnik mit 16 Prozent und die Informationstechnik mit 14 Prozent am weltweiten elektrischen Energiebedarf beteiligt.
( - ) Energie kann nicht im eigentlichen Sinne verbraucht werden, sie kann nur von einer Form in eine andere umgewandelt werden. (Energieerhaltungssatz)
Energieträger
Hauptartikel: Energieträger
Erschöpfliche Energieträger
- Kohle (Steinkohle, Braunkohle)
- Torf
- Erdöl
- Ölsande/Ölschiefer
- Erdgas
- Gashydrat (noch ungenutzt auf dem Meeresboden)
(alles chemische Energie)
- Uran (Kernspaltung)
- Plutonium (Kernspaltung)
- Wasserstoff (Deuterium und Tritium in Kernfusionsreaktoren)
(alles Kernenergie)
Erneuerbare Energieträger
(siehe auch Erneuerbare Energie)
- Bioenergie/Biomasse (chemische Energie)
- Geothermie (thermische Energie)
- Solarenergie (Strahlungsenergie)
- Wasserkraft (potentielle und kinetische Energie)
- Windenergie (kinetische Energie)
Formeln
- Potenzielle Energie im Gravitationsfeld: ist gleich Gewichtskraft mal Höhe.
Diese Formel ist im Schwerefeld eines Himmelskörpers mit Radius nur eine Näherung, genauer ist: .
- Potenzielle Energie einer gespannten Feder: , wobei D die Federkonstante und s die Auslenkung der Feder aus der Ruhelage ist.
- Energie eines elektrischen Feldes: , wobei Q die Ladung und C die Kapazität ist.
- Äquivalenz von Masse und Energie: , wobei die Ruhemasse des Körpers und c die Lichtgeschwindigkeit ist.
- Nach dem Welle-Teilchen-Dualismus ist Strahlungsenergie , wobei h das Planck’sche Wirkungsquantum und die Frequenz ist.
- Klassische kinetische Energie:
- Relativistische kinetische Energie:
- Energie eines Erdbebens: , wobei M die Magnitude auf der Richterskala ist und E die Einheit „Tonnen TNT“ besitzt.
- Arbeit (Energieänderung) , wobei P die Leistung und t die Zeit ist.
Bemerkungen:
1. Die hier aufgeführten "Formeln" sind die Definitionen der verschiedenen Energien als Zustandsgrößen. Formeln, z. B. die für den freien Fall, sind die mathematische Darstellung für den Vorgang.
2. Für alle Energiedefinitionen wird ein großes E für Energie verwendet, obwohl in einigen Fällen nicht Energien E, sondern bezogene Energien e definiert werden. Die "Federenergie" ist die auf eine Feder bezogene Energie e =E/Feder. Die "Strahlungsenergie" ist die auf auf ein Photon bezogene Energie e = E/Photon. Jede Energieform Ej besteht aus einer Quantitätgröße Mj und der bezogenen Energie ej : Ej = Mj ej. Nur die so definierten Energieformen Ej treten primär in Energiebilanzen auf.
3. Arbeit ist keine energetische Zustandsgröße, wie die anderen hier definierten Energieformen. Arbeit ist eine Vorgangsgröße, die eine Energieänderung in einem System bewirken kann. Eine andere übliche Definition ist Arbeit ist
Die SI-Einheit der Energie ist das Joule.
1 J = 1 Nm = 1 Ws = 107 erg = 0,2388 cal = 0,102 kpm = 0,2778·10-6 kWh
Die folgende Aufstellung soll helfen, ein Gefühl für die Größenordnungen von Energie zu erhalten. Der Hauptartikel findet sich unter Größenordnung (Energie).
; 1 J = 1 Ws = 1 Nm : potentielle Energie, die beim Anheben einer Schokoladentafel (ca. 100 g) um 1 Meter in dieser gespeichert wird.
; 1,0·100 J = 10-3 kJ : ungefährer täglicher körperlicher Energieumsatz eines Menschen.
; 3,6·106 J = 3600 kJ = 3600 kWs = 1 kWh : Abrechungseinheit für Strom, Gas usw.
; 2,9·107 J = 8,141 kWh = 1 kg SKE : eine Steinkohleeinheit entspricht der Energiemenge, die beim Verbrennen von 1 kg Steinkohle umgewandelt wird. Dies ist ein gängiges Maß bei der Angabe von Primärenergie-Mengen. (1998 betrug der weltweite Primärenergie-Umsatz 14,1 Gt SKE = 390·1018 J)
; 1 eV = 1,602 176 462(63) · 10-19 J : Die Einheit Elektronvolt wird unter anderem in der Festkörper-, Kern- und Elementarteilchenphysik verwendet. Ein Photon von violettem Licht hat eine Energie von ca 3 eV, eines von rotem ca. 1,75 eV.
Siehe auch
- Größenordnung (Energie) - eine wertmäßige Zusammenstellung von alltäglichen und unalltäglichen Energien, die uns umgeben, ideal um Größenvergleiche aufzustellen.
- Energieerhaltung
- Energieeinsparung
- Energiemix
- Nutzpflanzen#Energie und Kraftstoffe liefernde Pflanzen
Weblinks
- [http://www.br-online.de/cgi-bin/ravi?v=alpha/centauri/v/&g2=1&f=021110.rm Was ist Energie?] Real Video (Aus der Fernsehsendung Alpha Centauri)
- [http://www.physik.uni-muenchen.de/leifiphysik/web_ph09/materialseiten/06_energie.htm Versuche und Aufgaben zur Energie]
- [http://www.energie-evolution.de/ Beschreibung von regenerativen Energiequellen]
- [http://www.rettet-unsere-welt.de/index.php?page=wissen&p2=geraete_leistungen Energiebedarf einiger typischer Haushaltsgeräte]
- [http://www.energie-zeitung.de/ Energie sparen, Heizung,Geothermie und Wärmepumpe]
- [http://www.hellfirez.de/web/referate/inhalte/Physik_Energie.htm Erzeugung von elektrischer Energie allgemein und anhand verschiedener Beispiele]
- [http://www.erdwaerme-zeitung.de/ Infos über Erdwärmeheizung und Geothermie]
- http://www.greenribbonpledge.com (engl.)
Kategorie:Physik
Kategorie:Erneuerbare Energie
ja:エネルギー
ko:에너지
ms:Tenaga
simple:Energy
th:พลังงาน
ÜbertragungstechnikDie kommunikationstechnischen Verfahren, die innerhalb der physikalischen Schicht (Physical Layer) benutzt werden, werden als Übertragungstechnik bezeichnet. Die Übertragungstechnik ist ein Teilgebiet der Nachrichtentechnik. Sie umfasst hauptsächlich die Verfahren, die die analogen und digitalen Eigenschaften von Übertragungsmedien berücksichtigen. Ein wesentliches Fach beim Tonmeisterstudium, heißt "Musikübertragungstechnik" zu dem auch die Tonbearbeitung und die Schallwandlung gehört.
Ein übertragungstechnisches Netz liefert die Transportkapazität für Bitströme, die Anwendungen und Netze benötigen, die auf höheren Protokollschichten arbeiten. Zur Übertragungstechnik zählen auch spezifische Funktionen für Betrieb und Wartung (OAM).
Die Übertragungstechnik stellt den übergeordneten Schichten, der Multiplextechnik beziehungsweise der Vermittlungstechnik, definierte Dienste zur Verfügung. Multiplextechnik und Vermittlungstechnik sind dafür konzipiert, die von der Übertragungstechnik bereitgestellte Transportkapazität (Bandbreite) effektiv und ökonomisch auszunutzen: Die Multiplextechnik nutzt die Übertragungskapazität für mehrere Kanäle gleichzeitig. Das kann statisches Multiplexen sein wie bei PDH und SDH, oder dynamisches Multiplexen wie bei dem Zellmultiplexen von ATM oder dem Paket-Multiplexen des Routings. Die Vermittlungstechnik folgt einem anderen Prinzip: sie nutzt die Transportkapazität nicht gleichzeitig, sondern nacheinander: kurzzeitig wird die gesamte Transportkapazität eines Kanals jeweils für eine andere Verbindung benutzt und damit für Effektivität gesorgt.
Die Physical Layer wird in einer schematischen Sicht in zwei verschiedene Sublayers aufgeteilt. Die unterste Sublayer ist die PMD-Subschicht: sie ist vom Übertragungsmedium abhängig (PMD= Physical Medium Dependent). Die zweite Layer ist die TC-Subschicht: (TC= Transmission Convergence). Sie stellt die Verfahren zur Verfügung, die von der nächsten Layer für ihre Multiplexaufgaben benötigt werden.
Die PMD-Subschicht
Die übertragungstechnischen Verfahren der PMD-Layer haben mit den physikalischen und elektrischen beziehungsweise optischen Eigenschaften des Übertragungsmediums zu tun. Übertragungsmedium ist zum Beispiel Koaxialkabel, Twisted-Pair, Glasfaser, Funk. Dazu gehören jeweils typische elektrische beziehungsweise optische Parameter wie Sendepegel, Frequenz, Wellenlänge, et cetera. Außer den Eigenschaften des Übertragungsmediums sind natürlich die jeweiligen Anforderungen zu berücksichtigen: welche Reichweite soll erzielt werden, welche Bitrate soll übertragen werden. So hängt beispielsweise bei der optischen Übertragung über Glasfaser die Reichweite vom Sendepegel des optischen Senders ab. Billige Leuchtdioden sind für kurze Strecken völlig ausreichend, während für Fernstrecken teure Hochleistungs-Laserdioden verwendet werden.
Wird ein metallischer oder optischer Leiter verwendet, so kommt man meistens ohne Modulationsverfahren aus. Beim Funk ist es die Regel, dass Trägersignale digital moduliert werden. Frequenzumtastung (FSK), Quadraturphasenumtastung(QPSK), Quadratur-Amplitudenmodulation (QAM) sind gängige Übertragungstechniken für den Funk. Bei der Übertragungstechnik auf Kupferdoppeladern nutzt die relativ junge DSL-Technik Modulationsverfahren, um auf diesem geringwertigen Medium hohe Bitraten zu übertragen.
Als nächste Aufgabe sind von der Übertragungstechnik die zu erzeugende Signalform beim Sender und die Signalentzerrung beim Empfänger zu berücksichtigen, wofür eine passende Filtertechnik, wie sie zum Beispiel ein Bandpass ermöglicht, erforderlich ist. Außerdem muss es möglich sein, durch ein geeignetes Gleichlaufverfahren Sender und Empfänger zu synchronisieren: Die unvermeidlichen Effekte wie Rauschen, Jitter und Wander müssen so bemessen sein, dass Bitfehler und Bitslips unter der gewünschten Grenze liegen. Diese Funktionen werden gewöhnlich von einem Scrambler, einer Kanalcodierung und einer Taktrückgewinnung wahrgenommen.
Ein Scrambler verwürfelt das Signal durch rückgekoppelte Schieberegister so, dass keine langen 0- oder 1-Folgen entstehen, die relativ störanfällig sind oder auch eine ungewünschte Gleichstromkomponente im Signal bewirken könnten.
Bei elektrischen Signalen werden oft mehrstufige Leitungscodes verwendet: beispielsweise der in Deutschland im ISDN verwendete 4B3T-Code, bei dem jeweils vier Bits auf drei ternäre Signalelemente (= mit jeweils drei Spannungsstufen) abgebildet werden. Optische Signale verwenden nur zweistufige (Licht an/aus) Leitungscodes. Zum Beispiel wandelt der 5B6B-Code fünf Eingangsbits in sechs Ausgangsbits. Handelt es sich um eine störanfällige Übertragungsstrecke, kann dem Signal noch Redundanz hinzugefügt werden, die eine Fehlerkorrektur beim Empfänger erlaubt. Beim Funk werden hierfür gerne die leistungsfähigen Reed-Solomon-Codes verwendet.
Ein einfacher Weg, eine Taktrückgewinnung zu realisieren, ist eine PLL-Schaltung (Phase Locked Loop), die das gefilterte Empfangssignal verwendet. Erheblich schwieriger ist die Aufgabe, den Empfänger auch bei Ausfall des Empfangssignals über längere Zeit synchron zum Empfänger zu halten, wie es für die SDH-Technik erforderlich ist.
Funktionen für Betrieb und Wartung sind in der PMD-Sublayer nur wenige definiert, und auch nur für einzelne Übertragungstechniken:
Ethernet beispielsweise kennt das Jabber-Signal, mit dem eine Fehlersituation signalisiert wird.
Codes gehorchen einer bestimmten Bildungsregel. Gezielte Verletzungen dieser Bildungsregel können vom Sender benutzt werden, um dem Empfänger OAM-Informationen zu übermitteln. Dieses Verfahren wird zum Beispiel beim ISDN-Basisanschluss (UK0-Schnittstelle) verwendet.
Wiederum eine andere Möglichkeit sind Hilfsträger: Wird die Kanalcodierung so gewählt, dass das Frequenzspektrum bei niedrigen Frequenzen gering ist, kann dort ein weiteres Trägersignal untergebracht werden, auf den die OAM-Funktionen aufmoduliert werden.
Die TC-Subschicht
Die TC-Subschicht stellt die Funktionen zur Verfügung, die die Multiplextechnik braucht. Vom Sender wird gewöhnlich ständig ein Signal gesendet, um den Empfänger bitsynchron zu halten, auch wenn es keine Nutzinformationen zu übertragen gibt. Aufgabe der TC-Subschicht ist es nun, Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, um dem Empfänger zu signalisieren, dass ein Block von Nutzinformation beginnt, und es sich nicht um Leerinformation handelt.
Sowohl in der PDH-Technik als auch in der SDH-Technik werden dazu so genannte Rahmen verwendet. Die Rahmen enthalten die Nutzinformation. Durch ein bestimmtes Rahmenkennungssignal wird dem Empfänger der Beginn des Rahmens signalisiert, der im festen Takt von 125 µs gesendet wird.
Ethernet und ATM dagegen kennen keinen festen Rahmentakt und müssen daher andere Techniken verwenden, um dem Empfänger die Unterscheidung von Nutzinformation, die in Frames beziehungsweise Zellen übertragen wird, und von Leerinformation zu ermöglichen.
In der TC-Schicht sind wiederum Möglichkeiten vorgesehen, OAM-Informationen zur Gegenseite zu übertragen. Bei PDH und SDH gibt es hierfür den so genannten Rahmen-Overhead, das heißt eine Anzahl von Bits beziehungsweise Bytes an definierten Stellen des Rahmens, in dem sie übertragen werden. Ethernet überträgt einige Informationen an definierten Stellen des Frames, ATM kennt spezialisierte OAM-Zellen.
Einrichtungen und Geräte der Übertragungstechnik
- Funkstrecken
- Kabel
- Leitungen
- Steckverbinder
- Kabeladapter
- Antennen
- Analog-Digital-Wandler
- Codec
- Transceiver
- Verstärker
- Repeater
- Modem
- Radioempfänger
- Radiosender
Kategorie:Nachrichtentechnik
Kategorie:Schallwandlung
Kategorie:Telekommunikation
Kategorie:Tonbearbeitung
VerkehrssystemAls Verkehrssystem bezeichnet man ein geschlossenes oder offenes System zur Ortsveränderung von Gütern, Personen und Nachrichten. Es umfasst eine bestimmte Menge funktionell miteinander verknüpfter Komponenten, welche nach bestimmten Merkmalen aus der Gesamtheit aller im Verkehrswesen vorhandenen Systemelemente abgegrenzt werden. Die Abgrenzung erfolgt z. B. nach räumlichen, zeitlichen, technischen, organisatorischen, politischen, juristischen oder betrieblichen Gesichtspunkten und dient der Vereinfachung des Umgangs mit den komplexen Strukturen des Verkehrswesens. Die isolierte Betrachtung eines Verkehrssystems unter Vernachlässigung der Systemumgebung kann zu fehlerhaften Schlussfolgerungen führen.
Die Begriffe Verkehrszweig/ Verkehrsträger und Verkehrssystem werden häufig synonym gebraucht. Das kann jedoch zu Missverständnissen führen: Man kann ein Verkehrssystem so abgrenzen, dass es einen Verkehrsträger umfasst (Siehe deren Definition!). Aber ein Verkehrssystem kann auch so abgegrenzt werden, dass es nur Teile eines Verkehrsträgers (z. B. Straßengüterverkehr) oder auch mehrere Verkehrsträger umfassen kann (z. B. europäisches Verkehrssystem). Aus diesen Gründen sollte mit dem Begriff „Verkehrssystem“ wissenschaftlich-vorsichtig umgegangen werden.
Abgrenzung von Verkehrssystemen kann beispielsweise nach den benutzten Verkehrsmitteln bzw. Verkehrswegen erfolgen: Schiene, Straße, Wasserstraßen, Luftkorridore, Kraftverkehr, Eisenbahn, ÖPNV, Flugzeug, Schiff,
Siehe auch
- Verkehr
- Verkehrsmittel
- Verkehrsweg
- Transportmittel
- Verkehrsträger
- Verkehrszweig
- Verkehrswissenschaften
- Verkehrsknoten
- Themenliste Straßenverkehr
- Logistik
- Verkehrsbauwesen
- Hochschule für Verkehrswesen
Weblinks
- [http://www.studienberatung.tu-berlin.de/faecher/verkehr/verkehr.html Diplomstudiengang Verkehrswesen an der TU-Berlin]
- http://www.ruhr-uni-bochum.de/verkehrswesen/
- http://www.ifv.uni-karlsruhe.de/
- [http://www.hfv-dd.de/ Traditionsseiten für die Fachschaft Verkehrswissenschaften Dresden]
- [http://www.vkw.tu-dresden.de/ Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List"]
Kategorie:Verkehr
Kategorie:Transport & Verkehr
VerkehrsdienstleistungDie Verkehrsdienstleistung (auch Verkehrsdienst, Mobilitätsdienst) ist ein Aufgabengebiet der Verkehrsunternehmen sowie deren durch Verkehrsmittel produziertes und am Verkehrsmarkt gehandeltes Gut. Es umfasst die sichere, wirtschaftliche, leistungsfähige und nachhaltige Erbringung eines Verkehrsprozesses - mit dem Ziel der Veränderung des räumlichen Daseins von Personen, Gütern oder Nachrichten. Die Verkehrsdienstleistung weist einige für Dienstleistungen typische Merkmale auf, die das Verkehrswesen maßgeblich prägen, so z. B. die Nicht-Lagerfähigkeit, der Verbrauch während der Erstellung, das Mitwirken des Verkehrskunden, die zeitweilige Übereignung des Verkehrsobjektes in die Obhut des Verkehrsunternehmens u.a.
Zu beachten ist, dass mit Verkehrsdienstleistung nicht die Verkehrsleistung gemeint ist, diese beschreibt vielmehr die quantitative Leistung der verschiedenen Verkehrsträger, also bspw. die insgesamt zurückgelegten Entfernungen oder die beförderten Personen.
Arten von Verkehrsdiensten
Die verschiedenen Verkehrsdienste bilden einzelne Branchen am Verkehrsmarkt (dienstorientierte Verkehrszweige):
- Personenverkehr
- Personenfernverkehr: Fremdenverkehr/ Tourismus,
- Personennahverkehr: Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Taxi- und Mietwagenverkehr
- Gütertransportdienste; Güterverkehr in lokalen, regionalen und internationalen Relationen,
- Logistik, Spedition, Befrachtung, Transport,
- Versorgungsdienste mit Wasser/ Abwasser, Energie, Wärme (Leitungs- bzw. Rohrleitungstransport),
- Postwesen/ Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP),
- Nachrichtenwesen: Fernmeldewesen/ Telekommunikation (Übermittlung von nicht stofflichen Nachrichten), z. B. Datencarrierdienste, Providerdienste u.ä. - oft auch als virtuelle Mobilitätsdienste im Vergleich zu den physichen Mobilitätsdiensten bezeichnet.
Siehe auch
- Verkehrswirtschaft
- Verkehrsplanung
- Kabotage
Kategorie:Verkehr
Kategorie:Transport & Verkehr
Kategorie:Schienenverkehr
Kategorie:Schifffahrt
Kategorie:Luftverkehr
Kategorie:Postwesen
Kategorie:Telekommunikation
FremdenverkehrDie Gesamtheit des Fremdenverkehrs bezeichnet man auch als Tourismus. Der Begriff "Tourismus" steht zwar schon seit etwa 1810 in den deutschen Wörterbüchern, er wurde jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen.
Begriff
Die französischen Wörter tourisme und touriste wurden als offizielle Begriffe erstmals von der Société des Nations verwendet, um Reisende zu beschreiben, die länger als 24 Stunden im Ausland verbringen.
Heute unterscheidet man wissenschaftlich in folgende Reiseformen:
- Tagesausflüge (maximal 24h ohne Übernachtung)
- Kurzreisen (Reise von 2 bis 4 Tagen Dauer)
- Urlaubsreisen (alle Reisen mit mehr als 4 Tagen Dauer)
- Langzeitreisen (alle Reisen mit mehr als 3 Monaten Dauer)
Allerdings wird unter Tourismus mittlerweile auch das inländische Reisen subsumiert. In Deutschland beispielsweise verreisen mehr Menschen innerhalb des Landes als ins Ausland. Daneben müssen auch Geschäftsreisen zum Tourismus gezählt werden, so dass 24 Stunden nicht länger der Maßstab sind. Auch kürzere Aufenthalte zählen dazu.
Motivation
Unter der Bezeichnung Tourismus versteht man alle Reisen, kürzer als 12 Monate, aus den verschiedensten Motivationen heraus:
- Zum Einen reisen viele Menschen, um sich zu erholen und zu entspannen, also aus physischer Motivation.
- Zum Anderen gibt es solche, die zur Entlastung, Selbstfindung oder aus Abenteuerlust reisen. Dies bezeichnet man als psychische Motivation.
- Ein weiteres Motiv ist die interpersonelle Motivation, d.h. gesellige Menschen gehen auf Reisen, um Gruppenerfahrungen zu sammeln.
- Außerdem gibt es auch eine Menge von Menschen, die sich während ihres Reisens bilden und an dem Kennenlernen fremder Kulturen interessiert sind, also aus kultureller Motivation reisen (speziell: Studienreise).
- Ferner sind dort solche, die durch ein bestimmtes Reiseverhalten ihr Ansehen oder ihre Anerkennung steigern wollen. Dies wird als Status- oder Prestigemotivation bezeichnet. Schon 1873 übertrieb Theodor Fontane: "Zu den Eigentümlichkeiten unserer Zeit gehört das Massenreisen. Sonst reisten bevorzugte Individuen, jetzt reist jeder und jede."
Kritik
Zunehmende Mobilität, Kaufkraft und Freizeit in den Ländern der „Ersten Welt“ führen zu stetig steigender Reiseintensität und Reisehäufigkeit. Dieser Massentourismus hat in den bereisten Ländern und Regionen oft gravierende Folgen für Natur und Kultur.
Für die Masse der Touristen muß die entsprechende Infrastruktur (Hotelanlagen, Straßen, Transportmöglichkeiten bis hin zu eigens errichteten Flughäfen) errichtet werden. Auf Natur, Kultur und traditionelle Strukturen wird dabei oft keine Rücksicht genommen. Je stärker die Anpassung an die Erfordernisse des Massentourismus ist, desto eher werden lokale kulturelle Traditionen nur noch als Show und Inszenierung für die Touristen weitergeführt. Der Tourismus wird so zur Monokultur, der sich ganze Landstriche aus Profitgründen unterordnen.
Der Tourismus ist damit, wie auch die Unterhaltungsindustrie, Teil der ökonomischen Globalisierung, die in vielen Teilen der Welt zu einer „Verwestlichung“ führt. Touristen reisen in als solche beworbene und wahrgenommene „exotische (Urlaubs-)Paradiese“ und tragen gerade dadurch mit dazu bei, dass die kulturellen Eigenheiten dieser Länder zurückgedrängt werden. Das „Fremde“ wird den Wünschen und Vorstellungen der Gäste angepasst und damit zur Kulisse.
Ein Beispiel aus dem Alpintourismus für Eingriffe in die Natur im Namen der Tourismusförderung ist die stetige Erweiterung und Neuanlage von Skipisten. Ganze Wälder werden gerodet und somit der natürliche Erosionsschutz zerstört.
Demgegenüber entstand seit Beginn der 1980er Jahre eine Gegenbewegung, der so genannte „Sanfte Tourismus“. Dabei sollen Vorstellungen eines umwelt- und sozialverträglichen Reisens zu einer Lösung, zumindest aber Entschärfung, der mit dem Tourismus verbundenen Probleme beitragen. Er fördert die nachhaltige Nutzung touristischer Gegebenheiten, Respekt vor den kulturellen Traditionen der bereisten Länder und einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
Während viele Kritiker vor allem die Folgen des Tourismus beschreiben, stellte der französische Filmemacher und Situationist Guy Debord (1931-1994) in „Die Gesellschaft des Spektakels“ den Tourismus selbst in Frage. Er beschrieb das „Wesen des Tourismus“ in folgender Weise: "Das Nebenprodukt der Warenzirkulation, die als Konsum betrachtete menschliche Zirkulation, d.h. der Tourismus, läßt sich im wesentlichen auf die Muße zurückführen, das zu besichtigen, was banal geworden ist. Die wirtschaftliche Erschließung des Besuchs verschiedener Orte ist bereits von selbst die Garantie ihrer Äquivalenz. Dieselbe Modernisierung, die der Reise die Zeit entzogen hat, hat ihr auch die Realität des Raums entzogen."
Wachstumsgründe
Die Reiselust in den letzten hundert Jahren ist grundsätzlich auf die technischen und sozialen Veränderungen der Gesellschaft zurückzuführen. Durch den technischen Fortschritt ist die Welt, im übertragenden Sinne, kleiner geworden.
Freizeitverhalten
Einer der wesentliche Gründe des steigenden Tourismus ist das veränderte Freizeitverhalten der Bevölkerung, der sogenannte sozialen Fortschritt der Verkürzung der Tages-, Wochen- und Lebensarbeitszeit, die mehr Freizeit mit sich zog und damit das Bedürfnis, diese zur Erholung zu nutzen. Dies kann man an folgendem Überblick der Entwicklung der gesetzlichen Wochenarbeitszeit in Deutschland erkennen:
- 1900 10-Stunden Arbeitstag/6-Tage Woche
- 1918/19 8-Stunden Arbeitstag gesetzlich eingeführt
- 1955/56 5-Tage Woche schrittweise eingeführt
- 1965 40-Stunden Woche eingeführt
- 1990 35-Stunden Woche schrittweise eingeführt
Noch nie hatte eine Generation soviel Freizeit. In den letzten 40 Jahren steigerte sich die werktägliche Freizeit von 1,5 auf 4,1 Stunden, die Wochenendfreizeit steigerte sich von 1,5 auf 2 Tage und die Urlaubsdauer hat sich von 9 Tagen auf 31 Tage verdreifacht. Mit der Freizeitentwicklung ging eine rapide Motorisierung und steigender Wohlstand einher, die beide die Reiselust der Deutschen an die Weltspitze stellten. Dazu kommt der Trend immer häufiger und immer kürzer in den Urlaub zu fahren.
Neben dem veränderten Freizeitverhalten haben Einkommensteigerungen, Wirtschaftswachstum, höhere Lebenserwartung und die zunehmende individuelle Mobilität zu einer explosionsartigen Zunahme des Reiseverkehrs geführt.
Industrialisierung
Die stützende Kraft des Tourismus war die Industrialisierung, die wiederum die technische Voraussetzungen wie Eisenbahn, Automobil, verstärkter Schiffs- und Flugverkehr und den Ausbau des Straßennetzes ermöglichte. Die niedrigen Preise und die hohe Effizienz der Verkehrsmittel ermöglichten eine Zunahme des Tourismus.
Mit der infrastrukturellen Erschließung der Tourismusziele wird eine Region industrialisiert, und Bedürfnisse der Bewohner werden geweckt bzw. verstärkt. Zu dieser Erschließung gehört der Ausbau der Bettenkapazität, der Restauration, der verkehrstechnischen Voraussetzungen (Straßen, Schienen, Flughäfen, Häfen) und der entsprechenden Verkehrsmittel und Versorgungsstrukturen (Energie, Kanalisation, Fernmeldeeinrichtungen, Krankenversorgung, Ausbildungsstätten, Kultureinrichtungen etc. ). Damit verbunden sind ein intensiver Landschaftsverbrauch und eine Landschaftsbelastung bis hin zur Überlastung und den entsprechenden Umweltschäden.
Der Ausbau der Infrastruktur ist damit Teil eines Teufelskreises: Weitere Erschließung der Urlaubsgebiete nach wirtschaftlichen und technischen Kriterien ziehen weitere Urlauber nach sich und diese rechtfertigen wiederum noch mehr infrastrukturelle Verbesserungen. Dazu zählt auch die Bebauung der Landschaft mit immer neuen Freizeit- und Sporteinrichtungen.
Das Wirtschaftswachstum und der gestiegene Wohlstand verstärken die Bedürfnisse der Bevölkerung und den Zuzug von Arbeitsuchenden aus weniger entwickelten Regionen. Durch die Entwicklung zur einer modernen Industriegesellschaft und durch die Konfrontation von Einheimischen mit dem Lebensstil der Reisenden, verlieren schlimmsten Fall zu Folklore, die des abends in der Hotellounge den Chartertouristen vorgeführt wird.
Statistik
Zahlen der letzten 30 Jahre zeigen einen rapiden Anstieg der Reiseintensität und -häufigkeit, die mit zur Entstehung des Massentourismus in seiner heutigen Form beigetragen haben.
So hat sich der Anteil der Reisenden an der Gesamtbevölkerung über 14 Jahre von 1954 bis 1989 von 24% auf 66,8% erhöht. Das entspricht einer Steigerung der Reisenden von 9,3 Mio auf 32,6 Mio jährlich. Dabei sind aus statistischen Gründen die Reisen der ostdeutschen Bürger nicht berücksichtigt. Jedoch zeigt hier die Entwicklung nochmal eine erhebliche Steigerung.
Bildungsreisen
Der ursprüngliche Anspruch an das Reisen war es, sich zu bilden (siehe z.B. Goethes „Italienische Reise“). Bereits im 19. Jahrhundert kam der Aspekt der Erholung dazu. Mit dem Aufkommen des Massentourismus ab Mitte des 20. Jahrhunderts trat der Erholungsanspruch vollends in den Vordergrund, der im Allgemeinen wenig Interesse an einer bewussten Auseinandersetzung mit der Kultur des bereisten Landes zeigt.
Zugleich gab es aber auch immer Reisende, für die eine Beschäftigung mit anderen Kulturen und Lebensweisen und der Natur des Gastlandes das wesentliche Element der Reise war. Auch Sprachreisen zählen zu den Bildungsreisen. In der Tourismuswirtschaft sind Studienreisen und der Kulturtourismus allerdings ein verhältnismäßg kleines Segment.
In einer erweiterten Betrachtung können auch naturbezogene Erholungsaktivitäten im Urlaub zu den Bildungsreisen gezählt weren. Damit kann für viele das Verhältnis zur Umwelt und das Verständnis für Flora und Fauna wieder verbessert werden, auch umweltfreundliche Sportarten wie Wandern, Fahrradfahren, Segelsportarten und Schwimmen können dazu beitragen.
Wirtschaft
Die Fremdenverkehrswirtschaft (Tourismuswirtschaft, Tourismusindustrie, Reisebranche) zählt weltweit zu den größten Wirtschaftszweigen und ist für viele Regionen zur wichtigsten Beschäftigungsgrundlage geworden. Hinweise auf aktuelle Entwicklungen des Deutschen Outgoing-Tourismus finden sich unter Reiseveranstalter und Reisebüro.
Zentrale Informationsstelle für Konsumenten und Tourismuswirtschaft ist in Deutschland die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT).
Für Konsumenten und Tourismuswirtschaft in Österreich ist die Österreich Werbung zentrales Portal und Anlaufstelle.
In der Schweiz gibt es zwei Dachverbände, welche die Interessenvertretung des Tourismus wahrnehmen. Schweiz Tourismus als Marketingorganisation. Auf politischer und wirtschaftlicher Ebene betreibt der Schweizer Tourismus-Verband (STV) das Lobbying.
Tourismus kann in Deutschland meist als Schwerpunkt innerhalb der BWL, im Rahmen der Geographie oder als eigener Studiengang Tourismus/Touristik oder Tourismus-BWL studiert werden. An der Fachhochschule Eberswalde existiert ein Studiengang nachhaltiger Tourismus.
Wetterbedingungen
Für den Tourismus, insbesondere für Kurzaufenthalte oder Tagesreisen spielt die Wetterlage am Zielort eine wesentliche Entscheidungsgrösse. Es ist deshalb wichtig das Angebot der Touristiker für die Gäste entsprechend auszulegen. Steigende Unwetterzahlen schaden natürlich dem Tourismus in hohem Masse, jedoch muss gesagt werden, dass sich der Personenverkehr nach teilweise relativ kurzer Zeit wieder erholt.
Siehe auch
- Portal:Tourismus und Sehenswürdigkeiten
- Übersicht Tourismus
- Geschichte des Tourismus
- Verkehrswirtschaft
- Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List"
- Wikitravel
Weblinks
- [http://www.world-tourism.org World Tourism Organisation] Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen
- [http://www.tourism-watch.de www.tourism-watch.de] Informationsdienst Dritte-Welt-Tourismus
Kategorie:Tourismus
ja:旅行
ko:관광
ms:Pelancongan
simple:Tourism
th:การท่องเที่ยว
TourismusDie Gesamtheit des Fremdenverkehrs bezeichnet man auch als Tourismus. Der Begriff "Tourismus" steht zwar schon seit etwa 1810 in den deutschen Wörterbüchern, er wurde jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen.
Begriff
Die französischen Wörter tourisme und touriste wurden als offizielle Begriffe erstmals von der Société des Nations verwendet, um Reisende zu beschreiben, die länger als 24 Stunden im Ausland verbringen.
Heute unterscheidet man wissenschaftlich in folgende Reiseformen:
- Tagesausflüge (maximal 24h ohne Übernachtung)
- Kurzreisen (Reise von 2 bis 4 Tagen Dauer)
- Urlaubsreisen (alle Reisen mit mehr als 4 Tagen Dauer)
- Langzeitreisen (alle Reisen mit mehr als 3 Monaten Dauer)
Allerdings wird unter Tourismus mittlerweile auch das inländische Reisen subsumiert. In Deutschland beispielsweise verreisen mehr Menschen innerhalb des Landes als ins Ausland. Daneben müssen auch Geschäftsreisen zum Tourismus gezählt werden, so dass 24 Stunden nicht länger der Maßstab sind. Auch kürzere Aufenthalte zählen dazu.
Motivation
Unter der Bezeichnung Tourismus versteht man alle Reisen, kürzer als 12 Monate, aus den verschiedensten Motivationen heraus:
- Zum Einen reisen viele Menschen, um sich zu erholen und zu entspannen, also aus physischer Motivation.
- Zum Anderen gibt es solche, die zur Entlastung, Selbstfindung oder aus Abenteuerlust reisen. Dies bezeichnet man als psychische Motivation.
- Ein weiteres Motiv ist die interpersonelle Motivation, d.h. gesellige Menschen gehen auf Reisen, um Gruppenerfahrungen zu sammeln.
- Außerdem gibt es auch eine Menge von Menschen, die sich während ihres Reisens bilden und an dem Kennenlernen fremder Kulturen interessiert sind, also aus kultureller Motivation reisen (speziell: Studienreise).
- Ferner sind dort solche, die durch ein bestimmtes Reiseverhalten ihr Ansehen oder ihre Anerkennung steigern wollen. Dies wird als Status- oder Prestigemotivation bezeichnet. Schon 1873 übertrieb Theodor Fontane: "Zu den Eigentümlichkeiten unserer Zeit gehört das Massenreisen. Sonst reisten bevorzugte Individuen, jetzt reist jeder und jede."
Kritik
Zunehmende Mobilität, Kaufkraft und Freizeit in den Ländern der „Ersten Welt“ führen zu stetig steigender Reiseintensität und Reisehäufigkeit. Dieser Massentourismus hat in den bereisten Ländern und Regionen oft gravierende Folgen für Natur und Kultur.
Für die Masse der Touristen muß die entsprechende Infrastruktur (Hotelanlagen, Straßen, Transportmöglichkeiten bis hin zu eigens errichteten Flughäfen) errichtet werden. Auf Natur, Kultur und traditionelle Strukturen wird dabei oft keine Rücksicht genommen. Je stärker die Anpassung an die Erfordernisse des Massentourismus ist, desto eher werden lokale kulturelle Traditionen nur noch als Show und Inszenierung für die Touristen weitergeführt. Der Tourismus wird so zur Monokultur, der sich ganze Landstriche aus Profitgründen unterordnen.
Der Tourismus ist damit, wie auch die Unterhaltungsindustrie, Teil der ökonomischen Globalisierung, die in vielen Teilen der Welt zu einer „Verwestlichung“ führt. Touristen reisen in als solche beworbene und wahrgenommene „exotische (Urlaubs-)Paradiese“ und tragen gerade dadurch mit dazu bei, dass die kulturellen Eigenheiten dieser Länder zurückgedrängt werden. Das „Fremde“ wird den Wünschen und Vorstellungen der Gäste angepasst und damit zur Kulisse.
Ein Beispiel aus dem Alpintourismus für Eingriffe in die Natur im Namen der Tourismusförderung ist die stetige Erweiterung und Neuanlage von Skipisten. Ganze Wälder werden gerodet und somit der natürliche Erosionsschutz zerstört.
Demgegenüber entstand seit Beginn der 1980er Jahre eine Gegenbewegung, der so genannte „Sanfte Tourismus“. Dabei sollen Vorstellungen eines umwelt- und sozialverträglichen Reisens zu einer Lösung, zumindest aber Entschärfung, der mit dem Tourismus verbundenen Probleme beitragen. Er fördert die nachhaltige Nutzung touristischer Gegebenheiten, Respekt vor den kulturellen Traditionen der bereisten Länder und einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
Während viele Kritiker vor allem die Folgen des Tourismus beschreiben, stellte der französische Filmemacher und Situationist Guy Debord (1931-1994) in „Die Gesellschaft des Spektakels“ den Tourismus selbst in Frage. Er beschrieb das „Wesen des Tourismus“ in folgender Weise: "Das Nebenprodukt der Warenzirkulation, die als Konsum betrachtete menschliche Zirkulation, d.h. der Tourismus, läßt sich im wesentlichen auf die Muße zurückführen, das zu besichtigen, was banal geworden ist. Die wirtschaftliche Erschließung des Besuchs verschiedener Orte ist bereits von selbst die Garantie ihrer Äquivalenz. Dieselbe Modernisierung, die der Reise die Zeit entzogen hat, hat ihr auch die Realität des Raums entzogen."
Wachstumsgründe
Die Reiselust in den letzten hundert Jahren ist grundsätzlich auf die technischen und sozialen Veränderungen der Gesellschaft zurückzuführen. Durch den technischen Fortschritt ist die Welt, im übertragenden Sinne, kleiner geworden.
Freizeitverhalten
Einer der wesentliche Gründe des steigenden Tourismus ist das veränderte Freizeitverhalten der Bevölkerung, der sogenannte sozialen Fortschritt der Verkürzung der Tages-, Wochen- und Lebensarbeitszeit, die mehr Freizeit mit sich zog und damit das Bedürfnis, diese zur Erholung zu nutzen. Dies kann man an folgendem Überblick der Entwicklung der gesetzlichen Wochenarbeitszeit in Deutschland erkennen:
- 1900 10-Stunden Arbeitstag/6-Tage Woche
- 1918/19 8-Stunden Arbeitstag gesetzlich eingeführt
- 1955/56 5-Tage Woche schrittweise eingeführt
- 1965 40-Stunden Woche eingeführt
- 1990 35-Stunden Woche schrittweise eingeführt
Noch nie hatte eine Generation soviel Freizeit. In den letzten 40 Jahren steigerte sich die werktägliche Freizeit von 1,5 auf 4 | | |